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Per Headset telefonieren ist ausgesprochen praktisch, vor allem wenn man dabei am PC arbeitet. Leider ist kürzlich das Headset für mein Schnurlostelefon kaputt gegangen. Natürlich passt kein Headset für den PC und das Original-Ersatzteil ist unverschämt teuer. Schön wäre es, wenn man direkt über den PC telefonieren könnte. Kann man, wenn man z.B. eine Fritzbox hat - und es ist ganz einfach einzurichten.

Voraussetzungen

Neben einer halbwegs aktuellen Fritzbox braucht man natürlich ein Headset und die Software MicroSIP. MicroSIP ist eine Open-Source-Software für Windows, die das SIP-Protokoll zum Rufaufbau und die Codecs G.711 und G.722 nutzt, die auch von der Fritzbox unterstützt werden. Es spielt übrigens keine Rolle, ob die Telefonverbindung nach außen über Analog, ISDN oder VOIP hergestellt wird.

Fritzbox einrichten

Um die Fritzbox einzurichten, melden wir uns über den Browser an der Fritzbox an - in der Regel geht das durch Aufruf der URL fritz.box oder über die IP-Adresse der Fritzbox. Im Hauptmenü der Fritzbox wählen wir unter "Telefonie" den Unterpunkt "Telefoniegeräte". Dort sind die bereits eingerichteten Telefoniegeräte aufgelistet, bei mir ist es das DECT-Mobilteil. Hier klicken wir auf „Neues Gerät einrichten“, um die Konfiguration zu starten. Auf der nächsten Seite wählen wir "Telefon", klicken auf "weiter" und wählen dann "LAN/WLAN (IP-Telefon)".

Neues Telefoniegerät in Fritzbox anlegen

 

Jetzt geben wir unserem neuen Telefon noch einen eindeutigen Namen, hier "IP-Telefon 1“. Dieser Name ist nur für die Fritzbox relevant und dient zur Protokollierung.

Fritzbox: IP-Telefon anlegen

 

Als nächstes erstellen wir die Angaben für die Einrichtung der MicroSIP-Software. Diese Angaben notieren wir uns für die spätere Einrichtung von MicroSIP auf dem PC. Hierzu vergeben wir einen Benutzernamen und ein (möglichst sicheres) Kennwort.

Neues IP-Telefon in Fritzbox einrichten

 

Zuletzt wählen wir man noch aus, welche Rufnummer der PC als ausgehende Rufnummer verwenden soll und unter welchen Rufnummern er erreichbar sein soll. Wenn wir hier keine Rufnummer eingeben, können wir zwar vom PC nach draußen telefonieren, aber keine Anrufe entgegennehmen. Zuletzt klicken wir auf „Übernehmen“ um die Einrichtung abzuschließen. Hierdurch kommen wir zurück ins Menü „Telefoniegeräte“ und sehen den neuen Eintrag.

MicroSIP installieren

Als nächstes laden wir uns die Software von der MicroSIP-Seite runter und installieren sie. Nach dem Installieren und Starten rufen wir das Programm auf (rechter Mausklick auf das kleine MicoSIP-Symbol im System-Tray unten rechts) und klicken dort auch den Punkt „Konto hinzufügen“. Änderungen kann man später durch Klicken auf „Konto bearbeiten" vornehmen.

Hier tragen wir die Daten ein, die wir zuvor in der Fritz!Box eingerichtet haben. Der Kontoname ist frei wählbar, bei mir heißt das Konto "Fritzbox".

Neuen Account in MicroSIP einrichten

In das Feld "SIP-Server" kommt der Name der Fritzbox, standardmäßig ist das „fritz.box“, wie er auf der Telefonieseite angezeigt wurde, oder die IP-Adresse der Box. Im Feld "SIP-Proxy" musste ich bei mir ebenfalls die IP-Adresse der Fritzbox eintragen - normalerweise bleibt das Feld leer.

Unter Benutzername tragen wir den Benutzernamen aus der Konfiguration ein. Unter Domain muss die Domäne der Fritzbox eingetragen werden. Wenn sie nicht in der Box geändert wurde, lautet sie  „fritz.box“. Falls das nicht funktioniert, kann man in Windows die Eingabeaufforderung öffnen und den Befehl ipconfig /all eingeben. Unter „Primäres DNS-Suffix“ oder „DNS-Suffixsuchliste“ findet man den passenden Eintrag.

Das "Anmelden"-Feld bleibt leer und bei "Passwort" tragen wir das Passwort ein, welches wir in der Fritzbox vergeben haben. Unter "Anzeigename" können wir unseren Namen im Klartext eintragen oder ein Pseudonym, das wird aber nur für die Chat- und Video-Funktionen verwendet. Sprachboxnummer und Dialing Prefix habe ich leer gelassen.

Auch den "Dial Plan" kann man ohne Probleme leer lassen. Ich habe jedoch eine Funktion eingefügt, die es erlaubt, auch Nummern mit der internationalen Notierung direkt anzurufen, also solche, die für Deutschland mit +49 beginnen und bei denen die "0" für die Vorwahl fehlt. Mein Eintrag (für Deutschland):

<+49:0>x.|<+:00>x.|x.

Die "Medienverschlüsselung" bleibt deaktiviert, "Netzwerkprotokoll" und die "Öffentliche Adresse" können in der Regel auf "Auto" bleiben. Zum Abschluss noch auf "Speichern" klicken und der Account ist eingerichtet.

Im letzten Schritt ändern wir noch die Sound-Einstellungen und die Codecs. Dazu wählen wir im Menü den Punkt "Einstellungen" und wählen unter "Lautsprecher" und "Mikrofon" die Anschlüsse unseres Headsets. Als "Klingelgerät" empfiehlt es sich einen externen Lautsprecher zu wählen, da man das Headset ja in der Regel nicht auf hat und damit das Klingeln oft überhören würde.

Einstellungen in MicoSIP

Für die aktivierten Codecs habe ich bisher die besten Erfahrungen gemacht mit

  • G.711 A-law
  • G.711 u-law
  • G.722 16 kHz

Da heute die meisten Telefonanschlüsse ebenfalls über Voice-over-IP funktionieren, kann man in der Fritz!Box nachsehen, mit welchen Codecs die externen Gespräche aufgebaut wurden. Dazu wählen wir unter "Telefonie" den Punkt "Eigene Rufnummern" und dort den Reiter "Sprachübertragung". Das ist ein guter Anhaltspunkt für die Auswahl der Codecs in MicroSIP.

Fritzbox: Verwendete Codecs bei VoIP-Anrufen

Sinnvollerweise sollte MicroSIP bei jedem Start von Windows automatisch mitgestartet werden. Das stellen wir unter Windows 10 direkt im System ein.

Im Startmenü von Windows wählen wir den Punkt „Einstellungen“ (Zahnrad-Symbol) und gehen dort auf den Menüpunkt „Apps“ und wählen den Unterpunkt „Autostart“. Hier werden alle installierten Programme aufgelistet. Durch Aktivieren des Schiebeschalters neben dem Eintrag „MicroSIP“ wird das Programm künftig automatisch gestartet. Das Programm startet beim Hochfahren von Windows ohne sichtbares Fenster, jedoch mit aktivem MicroSIP-Symbol im Systemtray.

Finetuning

Zum Abschluss kann man in den Einstellungen von MicroSIP noch einen eigenen Klingelton wählen oder die Anrufaufzeichnung aktivieren. Standardmäßig sucht MicroSIP regelmäßig nach Updates. Das sollte man auf jeden aktiviert lassen.

Wenn man direkt aus einem Programm heraus eine Rufnummer anwählen möchte - z.B. aus dem Thunderbird Cardbook - so ist das einfach einstellbar. Ein Mausklick auf die als Link dargestellte Telefonnummer öffnet das Windows-Fensterchen, das fragt, welche Anwendung dafür verwendet werden soll. Hier wählt man einfach "MicroSIP" und setzt ein Häkchen bei "Immer diese App [...] verwenden". Ab sofort kümmert sich MicroSIP um alle (erkennbaren) Telefonnummern.

Ich möchte dieses Programm nicht mehr missen. So telefoniert es sich am PC noch komfortabler, als vorher mit Telefon und Headset.

Probleme? - Lösungen!

Wenn MicroSIP bei der Ersteinrichtung keine Verbindung zur Fritzbox aufbaut oder es Tonprobleme gibt, kann man mit folgenden Einstellungen experimentieren:

  • SIP-Proxy: in manchen Konstellationen ist es erforderlich, dieses Feld auszufüllen, der Eintrag ist in der Regel identisch mit dem SIP-Server, also „fritz.box“ oder die IP-Adresse der Fritzbox.
  • Netzwerkprotokoll: Wenn die Verbindung nicht aufgebaut wird oder sehr lange benötigt, dann kann man statt „Auto“ auch die anderen Einstellungen austesten.
  • Benutzername/Passwort: Aktuelle FritzOS-Versionen verlangen einen Benutzernamen, der mindestens 8 Zeichen lang ist und keine Leerzeichen enthalten darf. Das Passwort kann Groß- und Kleinbuchstaben und Ziffern enthalten. Da manche Sonderzeichen Probleme bereiten, sollte man am besten nur Buchstaben und Ziffern verwenden.
  • IP-Telefone in der Fritz!Box blockiert: Unter Telefonie – Eigene Rufnummern – Anschlusseinstellungen ist meist voreingestellt, dass IP-Telefone telefonieren dürfen, aber nicht ins Ausland. „Nutzung von Internettelefonie aus dem Heimnetz unterbinden“ darf nicht angekreuzt sein. Anrufe ins Ausland muss man mit dem Button „Auswahl ändern“ explizit zulassen.
  • Firewall: Es kann vorkommen, dass der SIP-Datenverkehr von einer Firewall blockiert wird. In der Windows-Firewall genügt es, das MicroSIP-Programm zu berechtigen. Bei anderen Programmen kann die Einschränkung auf Port-Ebene erfolgen. In solchen Fällen müssen die Ports 5060 für SIP und ggf. 5061 für verschlüsselte SIP-Verbindungen freigegeben werden.
  • Schlechte Tonqualität: Das Gespräch kommt zustande, beide Gesprächspartner hören sich, aber es kommt zu Tonstörungen. Das kann passieren, wenn anstelle eines Headsets Lautsprecher und ein offenes Mikrofon verwendet werden. Echos und Rückkopplung beeinträchtigen das Gespräch massiv. In den MicroSIP-Einstellungen kann man das Kästchen "EC" (Echo-Cancellation) ankreuzen, dann versucht die Software, Echos aus dem Audiosignal herauszurechnen.
  • Bei häufigen Aussetzern oder Knacksern während des Gesprächs ist ggf. die Bandbreite nicht ausreichend. Hier kann es schon helfen, die Reihenfolge der aktivierten Codecs umzustellen. Tritt das regelmäßig auf, kann man auch HD-Codecs wie „G.722“ oder „Opus“ ganz aus der Codec-Liste entfernen. Hier muss man unter Umständen etwas experimentieren.

Links

MicroSIP Webseite: https://www.microsip.org/